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Wo sich Zecken tummeln

 
Vom 06. Mai 2015
Gefahr im Wald

Wo sich Zecken tummeln

In Hessen breiten sich Zecken, die das FSME-Virus und damit Hirnhautenzündung übertragen, weiterhin aus. Sie konzentrieren sich meist auf ganz bestimmte Hotspots. Inzwischen ist es gelungen, die Gefahrenzonen genauer zu identifizieren.
 
Mit den ersten wärmeren Sonnenstrahlen krabbelt auch er wieder hervor: Ixodes Ricinius, der gemeine Holzbock. Die kleinen Spinnentiere lauern unscheinbar auf Pflanzen und Gestrüpp und wittern ihre Beute mit feinen Sinnesorgangen. Sie tragen eine Vielzahl an Erregern in sich, darunter auch die FSME-Viren.

FSME ist die Abkürzung für Frühsommer-Meningo-Enzephalitis oder auch Gehirnhautentzündung. Sie sitzen in den Speicheldrüsen der Zecke und werden direkt beim Stichvorgang übertragen. Ist das Immunsystem des Menschen geschwächt, können sich die Viren im Körper ausbreiten. Sobald sie das Gehirn erreicht haben, droht eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung.
 

Eine gute und eine schlechte Nachricht


 Doch inzwischen gibt es neue Erkenntnisse zur Verbreitung der infizierten Zecken. Eines der führenden Forschungszentren in Deutschland ist die Universitätsklinik in Heidelberg. Seit Jahren untersucht der Neurologe Thorsten Lenhard die Durchseuchung der Zecken mit FSME-Viren. Rund 18.000 Zecken haben er und sein Team im hessischen Odenwald und im Rhein-Neckar-Kreis gesammelt und auf das Virus untersucht. Sie wollten herausfinden, ob wirklich jede Zecke in den Risikogebieten den Erreger in sich trägt.

"Wir haben erstaunlicher Weise festgestellt, dass die Durchseuchung der Zecken mit Viren sehr gering ist. Es waren 0,3 Prozent, das ist weitaus niedriger als wir erwartet haben", erläutert Lenhard. Doch Entwarnung bedeutet das nicht. Denn was die Forscher stattdessen gefunden haben, ist umso gefährlicher: "Es gibt offensichtlich kleine Areale, die möglicherweise nicht größer sind als ein Fußballfeld oder noch kleiner, wo ein sehr hoher Anteil der Zecken mit FSME-Viren infiziert ist, im Bereich von bis zu zehn Prozent."

Hotspots oder Naturherde heißen diese verseuchten Gebiete - und sie geben der Wissenschaft Rätsel auf. Bis heute weiß man nicht genau, warum etwa auf der einen Seite des Weges die Durchseuchung mit FSME Viren bis zu 20 Mal höherer ist als auf der anderen Seite. Doch ein Mann kommt der Lösung inzwischen sehr nahe.
 

Obacht bei der Kombination Waldwiese, Brombeergestrüpp und Schlehen


Der Arzt Gerhard Dobler von der Bundeswehr in München hat inzwischen zahlreiche Hotspots ausfindig gemacht. Einer davon liegt bei Amberg, wo überdurchschnittlich viele Einwohner an FSME erkrankten. Doch warum gerade hier?

Dobler hat eine Theorie, denn die Hotspots haben alle etwas gemeinsam: "Wir sehen aus einer ganzen Reihe von identifizierten Naturherden, dass es sich um Waldwiesen handelt, die auf drei oder vier Seiten von Wald umgeben sind. Sie sind meistens nach Norden oder Osten ausgerichtet. Und wir finden praktisch immer Brombeergestrüpp, hier auch zusätzlich Schlehen. Das scheint Nahrung für die Nagetiere und auch Schutz vor Fressfeinden zu sein."

Denn genau diese Nagetiere und ihr Blut braucht die Zecke um sich zu vermehren. Wo die Nager gedeihen, scheint auch das FSME-Risiko erhöht. Doch der Forscher hat noch etwas herausgefunden: "Egal, ob die Winter warm oder kalt oder schneereich oder schneearm sind - es hat keinen Einfluss auf die Zahl der Zecken im nächsten Jahr. Die Zahl der Erkrankungen ist vor allem bedingt durch das Freizeitverhalten der Menschen. Wenn schönes Wetter ist, gehen sie in die Natur, und wenn schlechtes Wetter ist, gehen sie weniger in die Natur. Und das bestimmt die Zahl der Infektionen."

Schutz vor FSME


Wer in einem Risikogebiet wohnt oder viel draußen in der Natur unterwegs ist, sollte sich also schützen. Das geht am besten und sichersten mit einer Impfung. Drei Spritzen innerhalb von zwölf Monaten, dann ist man für drei bis fünf Jahre gut geschützt. Die Krankenkassen übernehmen übrigens die Kosten für die vorbeugenden Impfungen, wenn man in einem Risikogebiet lebt.

Um sich unabhängig von einer Impfung zu schützen, sollten Sie einfach einige Regeln beachten. So lässt sich das Ansteckungsrisiko stark reduzieren:

  • Tragen Sie lange Hosen und ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine, wenn Sie Wiesen und Wälder durchstreifen.

  • Langärmelige Oberteile sollten ebenso dazu gehören.

  • Auf heller Kleidung fallen die dunklen "Krabbler" schneller auf und Sie können sie noch vor dem ersten Hautkontakt abschütteln.

  • Ziehen Sie nach dem Spaziergang Ihre Kleider aus und schütteln Sie sie draußen gut ab.

  • Geben Sie Ihre Kleidung in den Wäschetrockner. Die heiße trockene Luft überleben die Zecken nicht lange! Erst bei Waschvorgängen ab 60°C werden die Spinnentiere abgetötet.

  • Suchen Sie anschließend Ihren ganzen Körper ab. Achten Sie besonders auf Hautfalten: Armbeugen, Achseln, Kniekehlen, Leistenbeugen, Schritt, Schambereich, Hals, Nacken, Haaransatz und hinter den Ohren.

  • Auch Kinder, die draußen gespielt haben, sollten jeden Abend gründlich abgesucht werden!


 

Zecken ziehen


Sobald Sie eine Zecke entdecken, sollte diese umgehend entfernt werden. Denn je länger das Spinnentier saugen kann, umso größer ist die Gefahr, dass dabei Krankheitserreger in die Wunde beim Menschen übertragen werden. Weil sich die Zecke mit den Widerhaken ihres Stechapparates fest in der Haut verankert hat, ist es sinnvoll, zum Entfernen auf Hilfsmittel wie eine Zeckenkarte, Zeckenzange, eine spezielle Schlinge oder eine Pinzette zurück zu greifen. Was auch immer Sie verwenden, Sie sollten sich vorher mit der Anwendung vertraut gemacht haben und beim Kauf in der Apotheke sich das Hilfsmittel und dessen Anwendung genau erklären lassen!

Wichtig ist, dass Sie das Instrument direkt über der Haut ansetzen, dann gerade ziehen, nicht ruckartig, sonst reißt unter Umständen der "Kopf", also der Stichapparat, vom Körper ab und bleibt in der Haut. Meist gibt es beim Ziehen erst einen Widerstand, weil die Widerhaken noch in der Haut fest sitzen, dann löst sich die Zecke mit einem sehr hellen und leisen "Plop" aus der Haut. Wenn zur Hand, dann desinfizieren Sie anschließend die betroffene Hautstelle.

Die entfernte Zecke lebt dann noch, und sie ist auch ziemlich widerstandfähig. Kochendes Wasser oder mechanisches Zerquetschen mit einem Gegenstand (niemals mit den bloßen Fingern!), zum Beispiel auf einem Stück Pappe, das Sie dann im Restmüll entsorgen, macht ihr den Garaus.

Wichtig:

  • Versuchen Sie, zügig zu arbeiten, die Zecke bereits beim ersten Versuch zu entfernen. Je häufiger Sie zum Beispiel die Zeckenzange ansetzen, umso mehr gerät das Spinnentier in Stress. Dann aber gibt es vermehrt Verdauungssäfte in die Wunde ab, die Infektionsgefahr steigt.

  • Keinesfalls sollten Sie früher übliche "Hausmittel" wie Klebstoff, Öl oder Nagellackentferner auf die Zecke träufeln. Das nämlich versetzt die Zecke ebenfalls in Stress mit oben genannten Folgen.

  • Gleiches gilt für den Rat, beim Herausziehen gegen den Uhrzeigesinn zu drehen. Die Widerhaken der Zecke sind ungerichtet, die Drehrichtung und das Drehen selbst erleichtern das Entfernen nicht.

  • Vermeiden Sie, die Zecke beim Entfernen zu zerquetschen. Denn dabei werden die infektiösen Verdauungssäfte frei, es besteht die Gefahr einer Ansteckung.



Autoren: Stephanie Krüger (alles wissen)/ Eva Maria Siefert (service: gesundheit)

Karte zu den gefährdeten Gebieten

http://www.zecken.de/gefahr-durch-zecken/fsme-in-deutschland.html