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Kameradin knüpft Kontakte in chilenischer Feuerwehr - Teil 1

 
Vom 11. Juli 2011
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Chile, ein Land in Südamerika, zwischen dem Pazifik, den Anden und der Arktis, das ist soweit bekannt.
Dass bereits in den vergangenen Jahrhunderten deutsche Auswanderer das Land für sich entdeckten zeigt sich noch heute an einer Vielzahl von Orten. Ein besonderer Ort ist die zentral gelegene 40000 Einwohnerstadt im Süden des Landes mit dem Namen „La Union“, denn dort befindet sich neben einer deutschen Schule auch eine von vielen „deutschen Feuerwehrkompanien“ Chiles.
Während ihres Aufenthaltes im Rahmen eines Schüleraustauschs berichtet uns unsere Kameradin Dorina Feske im Rahmen einer kleinen, zweiteiligen Reportage über die „1. Deutsche Feuerwehrkompanie La Union“.
TEIL 1
Während meines Auslandsaufenthaltes in Form eines Schüleraustausches über 2,5 Monate in Chile engagiere ich mich in der Freiwilligen Feuerwehr La Union. Es ist eine Erfahrung der besonderen Art, denn diese Feuerwehr ist eine deutsche Feuerwehrkompanie mit ausschließlich spanischsprechenden Kameraden und Kameradinnen. Gegründet wurde sie allerdings von einem deutschen vor vielen Jahrzehnten. Gleich in der ersten Woche bekam ich die Möglichkeit mir alles anzuschauen und erste Kontakte zu knüpfen. Bereits vor meiner Ankunft in Chile stand ich mit einem jungen Feuerwehrkameraden über Facebook in Verbindung, dieser war gleich begeistert, dass eine deutsche Feuerwehrfrau nach Chile kommt und genauso freundlich wurde ich in der Kompanie bei meinem ersten Besuch begrüßt und vorgestellt.
Eine chilenische Feuerwehrkameradin zeigte mir das ungewöhnlich große Feuerwehrhaus und führte mich durch mehrere Besprechungsräume, die Umkleiden der Einsatzabteilung sowie der Jugendfeuerwehr, die Werkstatt, eine Küche, eine kleine improvisierte "Einsatzleitstelle", sowie durch mehrere Aufenthaltsräume.
Nachdem wir die Besichtigung beendet hatten, kam auch gleich schon mein erster Einsatz rein, denn es war für die chilenischen Kameraden selbstverständlich, dass ich mit ausrücken sollte. Es ging zur ortsansässigen Joghurtfabrik, bei der ein kleines Feuer ausgebrochen war. Dieses wurde von einem weiteren Fahrzeug schnell bekämpft und wir konnten recht schnell wieder einrücken.
Am Nachmittag beschäftigten wir uns wie auch zu Hause damit, die Autos zu säubern und aufzuräumen. Dabei konnte ich mir die Technik und Ausrüstung der zwei Feuerwehrfahrzeuge ansehen, die größtenteils deutsch war.
Die zwei vorhandenen Löschfahrzeuge erfüllen hier in La Union verschiedene Funktionen. Ein Fahrzeug mit Gruppenbesatzung ist für Einsätze außerhalb von La Union spezialisiert, da es viele Leute gibt, die vor La Union auf dem Land wohnen. Um sofort löschen zu können, ist das Fahrzeug mit einem Tank ausgestattet. Außerdem muss oftmals eine Wasserversorgung über lange Wegstrecken aufgebaut werden, dementsprechend führt das Fahrzeug viel Schlauchmaterial, darunter auch einen 80 Meter langen Schnellangriff mit.
Das zweite Löschfahrzeuge wurde 2008 angeschafft und ist laut Aussage meiner Feuerwehrkameraden das beste und neuste in der Umgebung. Neben Tank und Schlauchmaterial ist dieses Fahrzeug mit allerhand Technik für Autounfälle ausgestattet, darunter auch ein Schneid- und Spreizgerät der Firma Lukas.
Das dritte Fahrzeug ist ein Krankentransportfahrzeug, mit dem wir kurzer Hand zum nächsten Krankenhaus fuhren, um einige Materialien abzuholen.
Der Krankenwagen ist nur mit dem nötigsten medizinischen Material ausgestattet, da es in Chile durchaus einen Rettungsdienst gibt, jedoch die Feuerwehr Patienten lieber selbst zum Krankenhaus transportiert.
Auf der Fahrt erzählte mir eine junge Feuerwehrfrau von einigen Einsätzen und den vier anderen deutschen Feuerwehrkompanien hier in der Stadt. Auch erzählte sie von den Problemen der Kompanien untereinander, zwischen denen genauso eine starke Rivalität herrscht wie zum Rettungsdienst. Keiner weiß genau warum dies so ist, aber wenn es vermeidbar ist, arbeitet die Feuerwehr nicht mit der "Emergencia" zusammen.
Besonders im Einsatzfall sei eine Kooperation zwischen den einzelnen Kompanien sehr schwierig, weil jede für sich die Beste und Schnellste sein möchte. So ist es keine Seltenheit, dass es am Einsatzort zu Auseinandersetzungen zwischen den Einsatzkräften der verschiedenen Feuerwehrkompanien kommt.
Am Abend, als wir alle zusammen im Aufenthaltsraum saßen, zeigten sie mir einige Videos von verschiedenen Einsätzen und ich war überrascht und gleichzeitig geschockt, wie viele tödlich endende Autounfälle es hier gibt.
Die Zeit mit meinen neuen chilenischen Kameraden verging wie im Flug und ich freue mich, wenn ich nächste Woche wieder in die Feuerwehr gehen kann.
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